Honorarfragen

Honorarfragen: Wertschätzung oder einfach nur Geld

Die Auseinandersetzung um die angemessene Höhe der Honorare ist ein Dauerbrenner. Wir verstehen Honorar im ursprünglichen Sinn des Wortes "Honorarium" = Anerkennung für geleistete Dienste eben auch als die Anerkennung, die einer Tätigkeit entgegengebracht wird.

Die Debatte um unsere Honorare trägt dabei Züge einer Domestizierung und Degradierung insofern, dass die erbrachte Leistung sowohl inhaltlich als auch finanziell nicht angemessen honoriert wird.

Die Honorarhöhe ist nicht losgelöst zu sehen von den Behandlungsinhalten und der Wertschätzung diesen gegenüber. Deswegen sehen wir in manchen Entwicklungen (Internettherapie, E-Mental- Health-Angebote) neben anderem eben genau diese Degradierung der psychotherapeutischen Tätigkeit.

Von 2009 – 2015 hat es gedauert, bis die Honorare angepasst wurden. Allein schon die Entwicklung des allgemeinen Preisindex von 2009 = 100 auf 2015 = 109 hätte eine Erhöhung um 9 % nach sich ziehen müssen, nur um den Inflationsausgleich zu kompensieren.

Mit dieser Erhöhung wäre das Honorar für die probatorischen Sitzungen von 62,00 € auf 67,58 € und das Honorar für die genehmigungspflichtigen Leistungen von 81,17 € auf 88,48 € angestiegen.

Die 2015 vom Erweiterten Bewertungsausschuss (EBA) beschlossene Erhöhung der Honorare um 2,7 % erbringt für das Jahr 2015 für die genehmigungspflichtigen Leistungen eine Honorarhöhe von 86,37 €. Sie sehen, damit bleiben wir hinter dem allgemeinen Preisindex zurück, de facto findet ein Inflationsausgleich statt, aber keine wirkliche Honorarerhöhung.

Die sogenannte Strukturpauschale ist unseres Erachtens ordnungspolitischer Unsinn und nur dadurch zu erklären, dass eine Logik und ein Algorithmus gesucht wurde, um das Steigerungsvolumen der Honorare möglichst gering ausfallen zu lassen.

Außerdem verstößt die Strukturpauschale unseres Erachtens gegen den Grundsatz: Gleiches Geld für gleiche Leistung. Denn warum soll die 10. bzw. 18. Stunde teurer sein als die 9. oder 17. Dies führt dazu, dass große Praxen bzw. Praxen mit guter bis sehr guter Auslastung besser honoriert werden.

Und letztlich stellt sich die Frage, welchen Sinn es aus versorgungspolitischer Sicht macht, ausgelastete Praxen besser zu honorieren. Diese können in ihrer Versorgungsleistung nur noch gering wachsen. Hingegen weniger ausgelastete Praxen könnten tatsächlich noch mehr Psychotherapie erbringen. Zur Frage der Honorare gehört auch die vorne schon erwähnte Berechnung des Beitrags zum ÄBD.

Leider bleibt uns nach wie vor an vielen Punkten nur die Möglichkeit, unsere Interessen gerichtlich anzumahnen und durchzusetzen. Die politische Durchsetzung ist aufgrund der Mehrheitsverhältnisse von Hausärzten und Fachärzten nach wie vor meist schwierig. Der korrigierte Beschluss zur Berechnung des ÄBD-Beitrags stellt hier bisher eine einsame Ausnahme dar.

Zurzeit stehen in Hessen noch folgende Musterklagen an:

Klage gegen die Beitragsstruktur im ÄBD: Musterkläger ist Wolfgang Schwerd

Klage gegen die Honorierung: Musterklägerin ist Madlen Katsouli