Neufassung der Psychotherapie-Richtlinien

Die am 16. Juni 2016 beschlossene Neuregelung der Psychotherapie-Richtlinie war im Vorfeld geprägt von der berufspolitisch angeheizten Diskussion um Wartezeiten im Bereich der Psychotherapie, die ursprünglich vor allem auf eine Änderung der Bedarfsplanungs-Richtlinie zielte.

Nach deren Scheitern sollte nicht nur die Wartezeitenproblematik gelöst, sondern die psychotherapeutische Versorgung insgesamt verbessert werden. Inwiefern dies durch die beschlossenen Maßnahmen gelingen kann, wird sich daran zeigen, wie diese Maßnahmen zukünftig administrativ und honorartechnisch umgesetzt werden sollen.

Es wird also um die Frage gehen, wie einzelne zu erbringende Leistungen zukünftig honoriert werden, welcher Honorarsystematik sie unterworfen werden und ob eventuell schon absehbar ist, dass es KVseitig Budgetierungen und damit Honorar- Kontingentierung geben wird.

Einige kritische Punkte des GBA-Beschlusses 3*:

Psychotherapeutische Sprechstunde/ telefonische Erreichbarkeit: Ob eine Sprechstunde angeboten wird, ist dem jeweiligen Psychotherapeuten freigestellt. Wenn sie angeboten wird, sind bestimmte Kontingente vorgeschrieben. Gravierend jedoch ist, dass vor einer Akutbehandlung oder einer Richtlinienpsychotherapie eine Sprechstundeneinheit von mindestens 50 Minuten durchgeführt werden muss. Wer also keine Sprechstunde anbietet, verzichtet auf die Möglichkeit des Erstzugangsrechts. Damit greift eine administrative Regelung unmittelbar in die langjährige und fachlich gut fundierte Einleitung einer Psychotherapie ein.

Probatorische Sitzungen: Im Erwachsenenbereich wird die Zahl der probatorischen Sitzungen vor einer Einzel- oder Gruppen-Psychotherapie auf mindestens 2, höchstens 4 Stunden festgelegt. Für die analytisch und tiefenpsychologisch fundierten Therapien bedeutet dies eine entscheidende und fachlich höchst problematische Beschränkung.

Akutbehandlung: Formal soll mittels der Akutbehandlung, das sind 24 Gesprächseinheiten à 25 Minuten oder 12 Gesprächseinheiten à 50 Minuten, die Möglichkeit geschaffen werden, Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf zu versorgen. Diese Behandlungsform ist nicht antragspflichtig, muss nur angezeigt werden und soll innerhalb von 14 Tagen begonnen werden. Hier zeigt sich unseres Erachtens, dass Psychotherapeuten vermehrt dazu herangezogen werden sollen psychiatrische Patienten zu versorgen. Ferner verkennt diese administrative Lösung, dass es nicht einen Mangel an behandlungswilligen Therapeuten gibt, sondern einen Mangel an akutpsychiatrischer Versorgung. Diese Akutbehandlung wird nicht zur Richtlinientherapie gerechnet werden, sodass sie zukünftig den KV-Mengenbegrenzungen einschließlich denkbarer Honorarabstaffellungen unterworfen werden kann. Besonders hier zeigt sich die Problematik, dass diese Behandlungsmöglichkeit, salopp gesagt, mit dem Portemonnaie der Behandler erkauft wird.

Kurzzeittherapie: Die bisherige Kurzzeittherapie von 25 Stunden muss zukünftig in zwei Abschnitten à 12 Stunden erbracht werden. Sie sind antragspflichtig, aber nicht gutachterpflichtig. Diese Regelung ist in besonderer Weise auf Druck der Krankenkassen zustande gekommen und folgt im Wesentlichen ökonomischer Logik. Fachliche, praxisbasierte Einwände wurden ignoriert und konnten hier leider nicht entscheidungsrelevant in Stellung gebracht werden.

Langzeittherapie: Die Langzeittherapien bleiben erhalten mit der Reduktion auf 2 Bewilligungsschritte bei Maximalkontingenten von 300 bzw. 100 Stunden. Aber: Die Probatorik wurde reduziert und der Erstzugang ist u. U. eingeschränkt.

Rezidivprophylaxe: Von Behandlerseite war gefordert, dass für diesen Nach-Behandlungsabschnitt eigene Kontingente bereitgestellt werden. Dies ist jedoch nicht erfolgt, sondern Stunden zur Rezidivprophylaxe sollen im Rahmen der bewilligten Behandlungskontingente erbracht werden.

Fazit: Insgesamt zeigt sich, dass Kostenargumente und administrative Vorstellungen der Krankenkassen deutlich die Neuregelungen zu Ungunsten der vorgetragenen fachlichen Kriterien der Profession dominieren. Honorartechnisch wird abzuwarten sein, wie die einzelnen Leistungen dotiert werden und wie sie dann in das gesamte Abrechnungsgefüge der budgetären oder extrabudgetären Honorierung eingebettet sind.

 

*Eine ausführliche Stellungnahme der DGPT zu dieser Frage liegt vor, sie ist hier abrufbar